{"id":163,"date":"2019-01-03T18:45:32","date_gmt":"2019-01-03T18:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/radicalfilmnetwork.de\/?page_id=163"},"modified":"2020-12-09T13:28:57","modified_gmt":"2020-12-09T13:28:57","slug":"was-ist","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/radicalfilm.net\/2019\/was-ist\/","title":{"rendered":"idee"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Die Begriffe &#8220;Radikal\u201c bzw. \u201eRadikaler Film k\u00f6nnen auf eine Vielzahl von kulturellen und k\u00fcnstlerischen Praxen angewendet werden. Im Kontext des Radical Film Network verweist &#8216;Radikalit\u00e4t&#8217; jedoch zuerst und vor allem auf die politische Zugeh\u00f6rigkeit zu progressiven Kr\u00e4ften und aktiver Teilhabe an den Auseinandersetzungen zur Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit \u2013 von den Rechten der ArbeiterInnen \u00fcber \u00f6kologischen Nachhaltigkeit, bis zu Geschlechter, Rassen und sexueller Gleichberechtigung.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auf Grundlage dieser ideologischen Ausrichtung, praktizieren und zelebrieren die Teilnehmer des Radical Film Networks die m\u00f6glichen filmischen Radikalit\u00e4ten auf vielf\u00e4ltige Arten und Weisen. Sie entwickeln neue herausfordernde \u00e4sthetische Praxen, experimentieren mit dem Medium selbst und sie suchen die politischen Ideale auf die Produktions und Distributionsprozesse anzuwenden. Dabei wird die Frage: \u201aWas ist radikaler Film heute?\u2018, permanent neu gestellt und stets anders beantwortet.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die Veranstaltung &#8220;WAS IST RADIKALER FILM?&#8221; wird in Kooperation mit dem Harun Farocki Institut im Silent Green Kulturquartier Berlin eine tempor\u00e4rer Raum geschaffen. Ein Ort der den Austausch zwischen Akteuren des Radical Film Networks und Berliner Film- und Kulturschaffenden herstellen und den britisch-deutschen Dialog f\u00f6rdern m\u00f6chte. Ziel ist es gemeinsam nach anderen Antworten auf die Frage suchen: Was ist radikaler Film?&nbsp;und&nbsp;Was&nbsp;kann&nbsp;radikaler&nbsp;Film&nbsp;tun?<\/p><br>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p>Radikaler Film, Gegenkino und Gegen\u00f6ffentlichkeit<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Dominanz der Film- und Medienindustrie, deren System von sozialen Repr\u00e4sentationen und formelhaften Geschichten als ein symbolischer Unterdr\u00fcckungsapparat angesehen wird, ist der Ausgangspunkt vielen filmischen Gegenbewegungen, die \u00e4sthetisch und ideologisch radikale Fragen stellen.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Schon in den 1920er Jahre entwickelten sich experimentelle Gegenformaten zu den von den gro\u00dfen Kinoverleihern bevorzugten Spielfilmen, denen angelastet wurde, die Menschen mit oberfl\u00e4chlicher Unterhaltung zu verrohen. Schon Dziga Vertov nannte 1924 den dramatischen Spielfilm \u201aOpium des Volkes\u2018. In den 1970ern Jahren wurde der Begriff &#8216;Gegenkino&#8217; (Counter-Cinema) f\u00fcr alternative Filmproduktionen gepr\u00e4gt, die das Vertraute infrage stellen, Konventionen brechen und nach neuen Wegen der Narration suchen. Die Filme des Gegen-Kinos (oder auch Guerilla-Kinos) suchten die hegemoniale Praxen des kommerziellen Films auszustellen und anzuprangern und andere Formen der Subjektivit\u00e4t zu erproben. Dabei verwiesen sie auf die Programmatiken des Dritten Kinos, des anti-kolonialistischen Kinos und suchten die Widerspr\u00fcche zwischen Selbstverst\u00e4ndnis, Marktkonditionen des Films und propagandistischen Interessen herauszustellen, denen die politische Filmemacher ausgesetzt waren. Die meist noch jungen und unerfahrenen Filmemacher und Filmemacherinnen arbeiteten oft ohne Gagen und produzierten Filme, die ihren Ort eher im politischen Diskurs denn im \u00e4sthetischen Feld des Films suchten.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bezugnehmend auf diesen politischen Filmdiskurs wurden in 80ern Videoaktivistengruppen gegr\u00fcndet, die Video als Propagandamittel einsetzten, um f\u00fcr die politischen Anliegen der Epoche neue Informationskan\u00e4le jenseits des Fernsehens zu besetze, mit dem Ziel eine Gegen\u00f6ffentlichkeit herzustellen. In Opposition zu den vorherrschenden Medien setzen diese Gruppen bewusst ihren Fokus auf die in den Medien unterrepr\u00e4sentierten Sichtweisen und nutzten auch Mittel wie \u00dcbertreibungen und Fiktionalisierungen, um ihren alternativen Standpunkt zu verdeutlichen. Die in den 90er Jahren beginnende Entwicklung der digitalen Technologien und des Internets f\u00fchrt schlie\u00dflich zu einer dramatischen Ausweitung des Videoaktivistenbereichs und zu ganz neuen Fragen. In Zeiten der permanenten Online-Verf\u00fcgbarkeit von Film und Fernsehen, Fake-News und Lifehack-Clips, kann nur noch schwer die Rede von einem einzelnen hegemonialen Leitmedium sein. Wichtiger werden stattdessen Fragen nach den Followern, Fans und den entsprechenden Aufmerksamkeitskulturen.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Unabh\u00e4ngige Filmproduktionen und Video-Aktivismus m\u00fcssen sich &#8211; wie auch die Film- und Medienindustrie &#8211; in dieser neuen Umgebung behaupten. Noch nie war die Filmtechnik so erschwinglich, so leicht erreichbar und der Film an sich so leicht international zu vertreiben wie heute. Zugleich brechen aber mit der ubiquit\u00e4ren Verf\u00fcgbarkeit von bewegten Bildern die Vertriebs- und Verkaufsstrukturen zusammen, mit denen zuvor nicht nur ein Einkommen f\u00fcr die ProduzentInnen erwirtschaftet werden konnte, sondern auch eine &#8211; wenn auch arbitr\u00e4re &#8211; Auswahl und Verknappung hergestellt wurde. Die Formate und Formen des Radikalen Films unter Ber\u00fccksichtigung dieser Gesichtspunkten zu diskutieren und m\u00f6glicherweise neu zu verorten soll Thema der Veranstaltung sein. Gleichzeitig soll es aber auch darum gehen, zu zeigen, dass das oppositionelle und radikale Filmschaffen trotz alledem noch immer vielf\u00e4ltig und bunt und sehr lebendig ist.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>So hat sich in den letzten Jahren ein sparten\u00fcbergreifender Diskurs rund um die Gegenbilder und Bewegungsbilder entwickelt, der sich \u00fcber alle Bereiche des kulturellen Lebens erstreckt: Theater, Ausstellungen, Kino, TV, und Online. \u00dcberall geht es darum Erz\u00e4hl- und Repr\u00e4sentationsweisen zu finden, die die konventionellen Codes und Konventionen unterlaufen, Ihnen ein anderes Verfahren der Weltdarstellung und -interpretation entgegenzusetzen, sie zu verfremden und zu dekonstruieren. Manchmal \u00fcbernehmen die K\u00fcnstler und Filmemacher aber auch die konventionellen narrativen Muster um innerhalb dieser vertrauten Form alternative Bedeutung zu vermitteln. Sie machen sich damit den Illusionismus des Kinos zur Vermittlung einer anderen Sicht auf die Welt zunutze und suchen diese mittels Fiktion humorvoll und ironisch zu verdeutlichen.<\/p><br>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Entsprechend dem Geist in dem das Radical Film Network (RFN) gegr\u00fcndet wurde, will das Radical Film Network Meeting Berlin eine Raum herstellen, in dem Aktivisten, Wissenschaftler, Filmemacher und K\u00fcnstler zusammen kommen, um gemeinsam die Frage \u201eWas ist radikaler Film?\u201c neu zu beantworten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Begriffe &#8220;Radikal\u201c bzw. \u201eRadikaler Film k\u00f6nnen auf eine Vielzahl von kulturellen und k\u00fcnstlerischen Praxen angewendet werden. 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